Vertragsnaturschutzprogramm Wald am Beipiel Oberndorf
Artenreich statt aufgeräumt

Im Oberndorfer Gemeindewald erläuterten Förster des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Nördlingen-Wertingen und Simone Zimmermann von der Unteren Naturschutzbehörde, wie sich mit Hilfe des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms Wald (VNP Wald) schon mit wenigen kleinen Maßnahmen ein gutes Miteinander von Artenschutz und Forstwirtschaft praktizieren lässt.

Bei den Waldbesitzern vollzieht sich ein Gesinnungswandel: Legten sie ehedem großen Wert auf einen möglichst "sauberen" Wald, so betrachten sie heute auch den Erhalt der Artenvielfalt als eine Kernaufgabe ihrer Forstwirtschaft. Totholz gilt ihnen nicht mehr als Unrat, sondern als Lebensraum für viele Tierarten und Mikroorganismen. Aus absterbenden Bäumen mit Höhlen für den Specht und die Fledermäuse werden wertvolle Biotopbäume.

Gemeinde übernimmt Vorbildfunktion

"Wir wollen mit Teilen unseres 7,5 Hektar großen Gemeindewalds dazu beitragen, dass dem Naturschutz und der Artenvielfalt genüge getan wird", sagte der Oberndorfer Bürgermeister Franz Moll. "Wir beteiligen uns nicht wegen der Fördergelder am VNP Wald, sondern mit Blick auf unsere Vorbildfunktion als Gemeinde." Dafür lässt die Gemeinde hier und da einen Biotopbaum stehen, Totholz liegen und gesteht sogar dem Biber einen Lebensraum zu.

Freiwillige Leistungen

Vor einer dicken, alten Esche erklärt der Leiter des Bereichs Forsten am AELF Nördlingen-Wertingen, Marc Koch, was es mit dem VNP Wald auf sich hat. Das staatliche Förderprogramm honoriert freiwillige Leistungen, die private oder körperschaftliche Waldbesitzer und Rechtler für den Natur- und Artenschutz erbringen. "Diese Maßnahmen sind ein wichtiger Baustein für die Umsetzung naturschutzfachlicher Ziele des Europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 und der Bayerischen Biodiversitätsstrategie."
Im Jahr 2020 wurden aus dem VNP Wald mehr als 8 Mio € Fördergelder an die bayerischen Waldbesitzer ausgezahlt. Ein Schwerpunkt der freiwilligen Maßnahmen ist der Erhalt von Biotopbäumen und Totholz bei gleichzeitiger Bewirtschaftung der Wälder. Ziel der Staatsregierung ist die Ausweitung des VNP Wald auf 6 % der Fläche des bayerischen Privat- und Körperschaftwalds. Fördermaßnahmen können die Waldbesitzer beim zuständigen Revierleiter am AELF jeweils bis zum 31. Mai des laufenden Jahres beantragen. Anschließend wird gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde geprüft, ob die Maßnahmen die Voraussetzung für eine Teilnahme am VNP Wald erfüllen.

Wirtschaften wie bisher

Für die Gemeinde Oberndorf heißt das, dass sie ihren Wald weiterhin in gewohnter Weise bewirtschaften kann. Anders als in einem Fichtenwald mit seiner großen Holzmasse gilt es in einem Laubwald Wertholz heranzuziehen, das sich beispielsweise für die Verarbeitung zu Furnieren eignet, erklärt Revierleiter Thomas Lutz. Vor einigen Jahrzehnten bestand der Oberndorfer Gemeindewald vor allem aus Eschen, die sich jedoch inzwischen aufgrund des Eschentriebsterbens nach und nach verabschieden.
An ihre Stelle sind Ahorn und Buchen getreten. Die absterbenden und abgestorbenen Eschen bilden jedoch einen wertvollen Lebensraum für viele Tierarten. In Hohlräumen brütet der Specht, in Mikrohabitaten wie Rindentaschen oder Stammschäden finden zahlreiche Insekten Unterschlupf. So darf auch eine Linde mit vier Spechthöhlen stehen blieben, zumal sie als Brennholz wenig begehrt ist.
"Integrative Waldbewirtschaftung" nennt Lutz die Bereitschaft der Gemeinde Oberndorf, dem Artenschutz Raum zu geben. Am Mähdigraben, einem kleinen Fluss, der den Forst durchfließt, darf sich sogar der Biber ungestört entfalten. Kleine Randstreifen links und rechts des Bachs werden von der Bewirtschaftung freigehalten und die Nagetiere nehmen diesen 1,6 ha großen Lebensraum gerne an. Dafür erhält die Gemeinde aus dem VNP Wald eine jährliche Förderung von 375 € pro Hektar.

Fördergeld für Biotopbäume, Totholz und Biber

Auch Simone Zimmermann von der Unteren Naturschutzbehörde freut sich über die vorbildliche Forstwirtschaft der Gemeinde Oberndorf und die Fördergelder aus dem VNP Wald. "Mit diesem Programm lässt sich die Förderung für freiwillige Leistungen vor unserer Haustür in die Fläche tragen."
Förderfähig sind allerdings maximal zehn Biotopbäume und fünf Tothölzer pro Hektar, sagt Marc Koch. Lässt ein Waldbesitzer einen Biotopbaum stehen, kann er aus dem VNP Wald einmalig bis zu 220 € Förderung erhalten. Für Totholz gibt es einmalig bis zu 175 €. Die Bindungsfrist beläuft sich bei Biotopbäumen und Totholz auf zwölf und beim Erhalt von Biberlebensräumen auf fünf Jahre. So kommen für die Gemeinde Oberndorf heuer rund 2000 € Fördergeld aus dem VNP Wald zusammen. Unter dem Stichwort "VNP Wald" finden Waldbesitzer auf den Websites des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie des Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz umfassende Informationen.
Thomas Lutz wirbt für eine gesamtheitliche Betrachtung der Waldwirtschaft und der Naturschutzmaßnahmen. "Das heißt, Wälder für den Naturschutz nicht stillzulegen, sondern auch an die Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz zu denken."

Aus dem Oberndorfer Gemeindewald
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