Ergebnisorientierte Grünlandnutzung
Schulung artenreiches Grünland

HintergrundZoombild vorhanden

Teilnehmer in einer Wiese

Das AELF-Nördlingen hielt Anfang Juni 2021 eine Kennarten-Schulung für Antragsteller des Kulturlandschafsprogramms (KULAP) B40 ab.

Familie Herb hatte vergangenes Jahr an der Schulung teilgenommen und bot daraufhin an, die nächste Veranstaltung auf ihren Flächen abzuhalten. Dieses Angebot nahm das AELF Nördlingen-Wertingen gerne an. So fand die Schulung in diesem Jahr im Osten des Landkreises Donau-Ries, in Wittesheim, statt. Sechs Teilnehmer folgten der Einladung.

Mit dem KULAP B40 wird in Bayern seit 2015 die ergebnisorientierte Grünlandnutzung gefördert. Um die Förderung zu erhalten müssen bestimmte Kennarten nachgewiesen werden. Darüber hinaus sind keine weiteren Auflagen wie Düngeverzicht oder Beachtung eines Schnitttermins zu berücksichtigen. Das hat den Vorteil, dass der Landwirt flexibler in der Bewirtschaftung dieser Flächen ist. Es liegt allerdings auch in seiner Verantwortung, dass das Ergebnis in Form des Artenreichtums erreicht und erhalten wird. Der Bewirtschafter muss dazu die Kennarten auf dem Schlag sicher bestimmen und erfassen können. An zwei Beispielschlägen wurde die Vorgehensweise zur Bestandsermittlung und Bestimmung der Arten erprobt.
Einteilung der Kennarten
Helmut Stöcker vom AELF Nördlingen-Wertingen hatte bereits in den Morgenstunden Vorarbeit geleistet und einige Kennarten mit zum Treffpunkt in der Ortsmitte von Wittesheim gebracht. Hier konnte als "Aufwärmtraining" gleich die Bestimmung der Kennarten an markanten Merkmalen erprobt werden. Stöcker informierte außerdem darüber, dass in der Kennartenliste auch Kennarten-Gruppen wie etwa gelb blühende Schmetterlingsblütler oder gelb blühende Korbblütler zu finden sind. Hier muss beachtet werden, dass nicht jede gefundene Art aus diesen Gruppen als eine eigene Kennart zählt. Findet man beispielsweise die Wiesen-Platterbse, ist die Kennart "gelb blühende Schmetterlingsblütler" abgedeckt. Taucht ein weiterer Vertreter diese Gruppe, beispielsweise Hornklee, im gleichen Erfassungsabschnitt auf, kann dieser nicht als zusätzliche eigene Kennart erfasst werden.
Erfassung auf dem Schlag
Unter der Anleitung von Helmut Stöcker erprobten die Schulungsteilnehmer die Erfassung der Kennarten im Grünlandbestand. Gedanklich wurde die längstmögliche Gerade durch den Schlag gelegt und in zwei etwa gleich lange Abschnitte unterteilt. Entlang dieser Strecke sollen alle Kennarten in einem etwa zwei Meter breiten Streifen (etwa Spannweite der Arme) erfasst werden. Sowohl im ersten als auch im zweiten Abschnitte müssen mindestens vier Kennarten bzw. Vertreter der Kennarten-Gruppen gefunden werden.
Die ersten fünf Meter ab Feldrand sind dabei auszusparen, da die Randbereiche häufig artenreicher sind und so der Artenreichtum eines Schlags leicht überschätzt werden könnte.
Bei der Erfassung sollte das Vorsichtsprinzip gelten. Werden nur vier Kennarten gefunden, wobei von einer Art nur vereinzelte Exemplare an einer Stelle der Wiese vorkommen, sollte diese nicht in die Bewertung mit einfließen. Das Risiko, dass die Art nicht wiedergefunden wird wäre sonst zu hoch.
Nach diesem Schema schritten Helmut Stöcker und Philipp Schuhmair vom AELF Nördlingen-Wertingen mit den Schulungsteilnehmern die Gerade ab.
Voraussetzungen erfüllt?
Bereits nach wenigen Metern im ersten Zählabschnitt konnten mit Margerite, Wiesensalbei und Hornklee drei Kennarten auf dem Erfassungsbogen verbucht werden. Es zeigte sich aber auch, dass das Vorkommen von Grünlandarten aufgrund wechselnder Bodenverhältnisse und Wasserverfügbarkeit entlang der Zählstrecke sehr wechselhaft ist. Beispielsweise gab es immer wieder lange Abschnitte, in denen keine Kennarten zu finden waren, da hier Gräser dominierten.
Erstreckt sich solch ein artenärmerer Bereich über einen kompletten Zählabschnitt kann es durchaus vorkommen, dass das Arten-Soll nicht erreicht wird. Die Fördervoraussetzungen wären dann nicht erfüllt, selbst wenn im anderen Zählabschnitt wesentlich mehr als die geforderten vier Kennarten vorkommen.
In unserem ersten Bestand war dies glücklicherweise nicht der Fall. Im Gegenteil war es vielmehr so, dass nicht selten vier Kennarten auf einem Quadratmeter zu finden waren.
Insgesamt kam eine stattliche Anzahl an Kennarten zusammen: Wiesensalbei, Margerite, gelb blühende Schmetterlingsblütler (Hornklee), gelb blühende Korbblütler (Wiesenpippau, rauher Löwenzahn), Wiesenbocksbart, Glockenblume, Wiesenflockenblume, Wiesenknopf, Vogel-Wicke, Wiesen-Storchschnabel.
Standort entscheidend
Eine extensivierte Nutzung mit angepasstem Mahd- und Düngeregime allein ist noch kein Garant, ausreichend Kennarten im Bestand vorzufinden. Das wurde den Kursteilnehmern eindrücklich bewusst, als sie zum zweiten Grünlandbestand der Schulung kamen. Obwohl diesem zweiten Schlag die exakt gleich Behandlung zuteil wird wie dem ersten, bot sich hier ein komplett anderes Bild. Auf den ersten Blick bestand diese Wiese nur aus Gräsern, insbesondere Glatthafer und Wiesenrispe. Aus kürzerer Distanz konnten in der grünen Matte die gelben Blüten des Wiesenpippau sowie die weißen Köpfe der Margerite ausgemacht werden.
Noch schwerer war die noch blütenlose Flockenblume zu entdecken. Es dauerte dann auch eine ganze Weile bis schließlich die vierte Kennart gefunden wurde, die Kuckucks-Lichtnelke. Abseits der Zählstrecke wurden vereinzelte Exemplare von Bocksbart und Storchschnabel ausgemacht. Im zweiten Abschnitt wurde es schließlich noch spärlicher. Fast bis zum Ende kamen wir mit Margerite, Wiesenpippau und Kuckus-Lichtnelke nicht über drei Arten hinaus. Ein Vertreter des Bachnelken-Wurz komplettierte schließlich unsere Liste.
Fazit der Teilnehmer
Der Teufel steckt im Detail. Wiesen-Platterbse und Hornklee dazu noch Wiesen-Pippau und Rauher Löwenzahn. Rasch sind vier Kennarten gefunden. Aber Vorsicht, durch die Einteilung in Kennarten-Gruppen (gelb blühende Schmetterlings- und Korbblütler) handelt es sich hier lediglich um zwei zählbare Kennarten. Auch bei den Wicken lohnt ein zweiter Blick. Handelt es sich wirklich um die Kennart Vogelwicke? Oder könnte es doch die Zaunwicke sein? Die ist zwar nicht minder schön, zählt aber leider nicht zu den Kennarten.