Erntepressegespräch des AELF in Bollstadt
Keine Rekordernte, aber ein passables Jahr

Für Ulrich Schildenberger ist die Sache klar: "Mit dem Klimawandel muss sich auch die Landwirtschaft wandeln."

Auf seinem Ackerbau- und Jungviehaufzuchtbetrieb in Bollstadt erläuterte er beim Erntepressegespräch des AELF Nördlingen-Wertingen, mit welchen Maßnahmen er den zunehmenden Wetterextremen und dem Rückgang der Artenvielfalt begegnet. Dabei hat er aufgrund der steinigen Böden auf der Schwäbischen Alb mit erschwerten ackerbaulichen Rahmenbedingungen zu kämpfen.

Eröffnung
Dr. Reinhard Bader, Leiter des AELF Nördlingen-Wertingen, verwies auf die große Trockenheit vor allem im südlichen Europa und auf den Ukrainekrieg. Das Nahrungsangebot werde dadurch weltweit verknappt und in manchen Regionen könnte es sogar Hungersnöte geben.
Im Donau-Ries-Kreis sei die Versorgung mit Nahrungsmitteln jedoch gesichert, stellte Bader fest. Schließlich gelte dieser klassische Ackerbaustandort seit jeher als Kornkammer Bayerns. Der Sommer sei zwar sehr trocken gewesen, ob es deshalb beim Getreide zu Qualitätseinbußen kommt, hänge aber vom jeweiligen Standort ab.
Früherer Erntestart
Die Ernte der Wintergerste habe zwei Wochen früher als in den Jahren zuvor bereits Ende Juni begonnen. Die Erträge dürften mit Blick auf die Trockenheit geringer ausfallen als im Jahr zuvor. "Eine Rekordernte dürfen wir heuer nicht erwarten, aber insgesamt war es bislang ein passables Jahr."
Neue Anforderungen an die Züchtung
Einfluss auf den Ackerbau nehmen neben der Ukraine-, Corona- und Energiekrise auch die Düngeverordnung. Diese Faktoren würden einerseits die Wahl der angebauten Kulturen ändern, andererseits aber auch dazu beitragen, dass die Landwirte neue Ideen entwickeln. So müssten sie ihre Fruchtfolge an den Klimawandel anpassen, es entstünden neue Anforderungen an die Sorten und die Züchtung.
"Unsere Bauern können alles"
Den Donau-Rieser Landwirten bescheinigte der Behördenleiter ein großes Potenzial. "Unsere Bauern können alles", betonte er mit Blick auf das wachsende Spektrum der Ackerkulturen. Als Beispiel nannte er die Sojabohne, die noch vor zwei Jahrzehnten als Exot in der schwäbischen Kulturlandschaft galt. "In zehn bis zwanzig Jahren wird diese Frucht aufgrund des züchterischen Fortschritts voraussichtlich ein fester Bestandteil unserer Fruchtfolge sein."
Ökonomisch unterwegs gewesen
Bader räumte ein, dass die Landwirtschaft – wie viele andere Wirtschaftsbereiche auch - in den vergangenen Jahren fast ausschließlich ökonomisch unterwegs gewesen sei: "Der Kostenführer mit den geringsten ökologischen und sozialen Standards ist übriggeblieben. Das fällt der Landwirtschaft jetzt bisweilen auf die Füße." Inzwischen unterliege jedoch die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche dem KULAP oder dem Vertragsnaturschutzprogramm und werde damit extensiver bewirtschaftet.
Bader bedauerte die Zurückhaltung der Verbraucher beim Kauf regionaler und ökologischer Produkte, die während der Coronakrise noch zulegen konnten. "Wer jetzt wieder weniger zuhause ist und kocht, der geht mehr zur Gastronomie und legt dabei weniger Wert auf Regionales." Die Landwirte wiederum seien Unternehmer und müssten den Markt analysieren: Welchen Preis brauche ich, um eine bestimmte Investition angehen zu können? Die Kosten-Risiko-Abschätzung erfordere verlässliche politische Rahmenbedingungen und kalkulierbare Märkte.
Stickstoffverlust vermeiden
Auch Ulrich Schildenberger beteiligt sich am Klima-, Umwelt- und Artenschutz. Er bringt seinen Wirtschaftsdünger überbetrieblich emissionsarm aus, nutzt sein Grünland entlang von ökologisch sensiblen Gebieten extensiv, baut Zwischenfrüchte an, setzt Trichogramma zur Maiszünslerbekämpfung ein, hält Gewässerrand- und Emissionsschutzstreifen in Roten und Gelben Gebieten vor.
Als Vorstandsvorsitzender des Maschinenrings Nordschwaben weiß er um die Vorteile der Zusammenarbeit mit Berufskollegen. Für sie übernimmt er die Aussaat und Transportarbeiten, überbetrieblich koordiniert er die Cultan-Düngung. Dabei wird Flüssigdünger unmittelbar neben den Pflanzenwurzeln in den Boden injiziert. Dadurch lassen sich Verluste vermeiden. "Jedes ausgebrachte Gramm Stickstoff soll den Pflanzen zur Verfügung stehen", sagte Schildenberger.
Ohne Pflug kein Steineklauben
Außerdem bearbeitet der Landwirt seine Böden pfluglos, das erspart ihm auf den Juraböden das mühsame Auflesen von Steinen und mindert die Erosionsgefahr erheblich: "Ich versuche, das Wasser auf der Fläche zu halten." Die Steine erschweren das Grubbern, maximal zehn Zentimeter tief dringen die Zinken in den Boden ein. Die mit Steinen übersäten Flächen verlangen aufgrund des hohen Verschleißes zudem stabilere und damit teurere Maschinen.
Verteuerung der Betriebsmittel
Zu schaffen macht Schildenberger ebenso die enorme Verteuerung der Betriebsmittel. "Mit Blick darauf sind die Preise für Agrarprodukte immer noch zu niedrig." Auffällig sei, dass die Ernte am Riesrand bei Bollstadt aufgrund der geringeren Temperaturen meist 14 Tage später als im Rieskessel anläuft.
Der Bollstädter bewirtschaftet 64 Hektar Nutzfläche, davon 45 Hektar Ackerland und 18 Hektar Grünland. Zur viergliedrigen Fruchtfolge gehören Winterweizen, Wintergerste, Winter- und Sommerraps, Silomais und Luzerne. Für einen Milchviehbetrieb übernimmt Schildenberger die Aufzucht des Jungviehs bis zum Deckalter. Seit 2007 hat er seinen Betrieb schrittweise aus dem Dorf ausgesiedelt. Die Ernte vermarktet er komplett an den Landhandel, ein Teil kommt als Kraftfutter für das Jungvieh auf den Hof zurück.
5000 € Vorleistung für 1 Hektar Kartoffeln
Wie Kreisobmann Karlheinz Götz erklärte, orientiert sich die Anbauplanung der Landwirte auch an den Preisen. Er selbst habe einen Schwerpunkt auf den Kartoffelanbau gelegt. Aufgrund der hohen Kosten für Technik, Energie, Pflanzenschutz und Dünger lasse sich hier jedoch aktuell nicht kostendeckend wirtschaften. Götz rechnet mit 5000 €/ha, mit denen er in Vorleistung gehen muss, bevor er das Geld für seine Kartoffeln auf dem Konto hat.
Futterpflanzen unter Druck
Bislang hätten die Bauern die hohen Pachtpreise im Ries durch die tierische Veredelung, insbesondere die Schweinehaltung, kompensiert. Die niedrigen Preise für das Fleisch und die immer höheren Auflagen führten schließlich zu einem starken Rückgang der Viehhaltung, viele Landwirte wechselten in den reinen Ackerbau im Nebenerwerb. "Hier ist die Landwirtschaft dabei, sich selbst abzuschaffen", klagte der Kreisobmann. Mit dem Rückgang der Tierhaltung komme auch der Anbau von Futterpflanzen wie der Wintergerste unter Druck.
Aufgrund der Trockenheit erwartet Götz heuer 20 % weniger Ertrag beim Winterweizen. Anders als der Gerste habe dem Weizen der Regen in der Kornfüllungsphase gefehlt.
Ambitioniertes Ziel
Das bayerische Staatsziel von 30 % ökologischem Landbau hält Götz für sehr ambitioniert. Der Verbraucher werde nämlich weniger Bioprodukte kaufen, wenn sich Energie und Mieten weiter verteuern. Außerdem nutze er die Möglichkeit, nach der Pandemie wieder in den Urlaub fahren zu können. Schließlich erinnerte der Kreisobmann an die 96 Biogasanlagen im Donau-Ries-Kreis. Diese hätten aktuell eine umso stärkere Berechtigung, als sie große Mengen an Gas, Strom und Wärme produzieren können – wenn sie die Politik denn ließe.