Ertragsaussichten in Nordschwaben
Der Klimawandel macht sich bemerkbar

Trotz der enormen Trockenheit können die nordschwäbischen Landwirte heuer mit durchschnittlichen Erträgen rechnen. "Ich bin von Dankbarkeit erfüllt, wenn ich auf die Bestände blicke", sagt Erhard Würth und verweist auf die Gunstlage der klassischen Ackerbauregion.

Im Dienstgebiet des AELF Nördlingen-Wertingen seien die Bauern mit einem blauen Auge davongekommen, nachdem die Pflanzen im trockenen Frühjahr kräftige Wurzeln bilden konnten.

3.357 Betriebe im Dienstgebiet
Wie der Leiter des Sachgebiets Landwirtschaft erklärt, wirtschaften in den Landkreisen Dillingen und Donau-Ries derzeit insgesamt 3.357 bäuerliche Betrieb, darunter 253 Öko-Betriebe. Die Nutzfläche beläuft sich auf 119.182 ha, davon unterliegen 10.129 ha dem ökologischen Landbau.
Landkreis Dillingen
Im Kreis Dillingen werden 10.921 ha Winterweizen und 3.960 ha Wintergerste angebaut, 322 ha Sommergerste, 12.567 ha Mais, 961 ha Winterraps, 2.014 ha Zuckerrüben, 977 ha Kartoffeln, 167 ha Leguminosen und 10.123 ha Zwischenfrüchte. Das Dauergrünland beläuft sich auf 8.336 ha.
Landkreis Donau-Ries
Im Donau-Ries-Kreis stehen 13.677 ha Winterweizen und 5.913 ha Wintergerste auf den Feldern, 293 ha Sommergerste, 17.372 ha Mais, 1.405 ha Winterraps, 3.574 ha Zuckerrüben, 1.358 ha Kartoffeln, 480 ha Leguminosen und 14.228 ha Zwischenfrüchte. Dazu kommen 14.867 ha Dauergrünland.
Rapsanbaufläche deutlich gestiegen
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Pflanzenbau geringfügig in Richtung Winterweizen, Raps, Mais, Zuckerrübe und Kartoffeln verschoben. Die Anbauflächen von Wintergerste, Sommergerste und Zwischenfrüchten gingen dagegen leicht zurück. Die stark gestiegenen Erzeugerpreise führten insbesondere beim Raps zu einer deutlichen Ausweitung des Anbaus. Im Kreis Dillingen stieg die Rapsfläche um 232 auf nunmehr 961 ha, im Donau-Ries-Kreis um 172 auf 1.405 ha.
Temperaturen über langjährigem Mittel
Dem trockenen Herbst 2021 folgten hohe Niederschlagsmengen im Dezember, während sich im Januar und Februar, besonders aber im März und Mai wiederum eine große Trockenheit einstellte. Die Temperaturen lagen durchgängig über dem langjährigen Mittel, vor allem im Februar und März. Dagegen war es Anfang April mit bis zu minus 8°C ungewöhnlich kalt.

Die einzelnen Kulturen im Überblick

Winterweizen
Vermehrte Beikrautregulierung im Herbst war erforderlich wegen Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel bei Ackerfuchsschwanz und längerer Vegetationszeit durch milden Winter, in dem die Beikräuter weiterwachsen. Die Bestände kamen gut entwickelt aus dem Winter. Anschließend bremsten Wechselfröste die Entwicklung. Gräserherbizide wirkten im Frühjahr häufig unzureichend, weil die Gräser aufgrund des milden Winters bereits gut entwickelt und deshalb widerstandsfähig waren. Aufgrund des trockenen Frühjahrs und guter Sortenresistenzen wenig Pilzkrankheiten bis in den Juni hinein. Verhaltene Niederschläge im Mai führten zu kräftiger Wurzelentwicklung und gesunden Beständen. Niederschläge in der Blütezeit erhöhten jedoch Risiko für Pilzbefall. Bedarfsgerechte Düngung in Roten und Gelben Gebieten war nicht möglich, dadurch geringere Erträge und Eiweißgehalte. Wasservorräte in den Böden sind gering, deshalb hängen die Ertragsaussichten von den Niederschlägen in der Kornfüllungsphase ab.
Wintergerste
Die Bestände kamen gut entwickelt aus dem Winter. Kälte Anfang April bremste die Entwicklung. Verhaltenes Krankheitsgeschehen im Frühjahr. Auf Böden mit geringem Wasserhaltevermögen zeigte sich ab der Kornfüllungsphase Wassermangel. Kräftige Wurzelentwicklung und gesunde Bestände durch verhaltene Niederschläge im Mai.
Sommergerste
Wenig angebaut. Verstärkter Befall mit Getreidehähnchen.
Mais
Vorausgehende Zwischenfrüchte im milden Winter oft nicht abgefroren, mechanische Bekämpfung der Beikräuter meist ausreichend. Verzögerung der Gülleausbringung durch nasse Böden ab April, Aussaat daher erst Ende April bis Anfang Mai. Zügiger und gleichmäßiger Auflauf der Maispflanzen. Im südlichen Landkreis teils starke Schäden durch Saatkrähen. Gleichmäßige Bestände.
Winterraps
Bestände kamen kräftig aus dem Winter. Geringer Schädlingsdruck. Wachstumsrisse nach starken Frösten Anfang April, jedoch ohne Folgen. Aktuell schöne Bestände. Bei ausreichenden Niederschlägen gute Ertragsaussichten.
Zuckerrüben
Erhöhter Beikrautdruck durch vorausgehende nicht abgefrorene Zwischenfrüchte. Totalherbizide gemäß Pflanzenschutzrecht nur auf Mulchsaatflächen möglich, bei mechanischer Beikrautbekämpfung Risiko der Bodenschädigung und damit auch für die Entwicklung der Rüben. An früh gesäten Rüben Schäden durch starke Fröste im April. Wechselfröste und verschlämmte Böden beeinträchtigten ebenfalls die Entwicklung, so dass sich häufig lückige Bestände zeigen. Früher Befall mit Blattläusen. Reihenschluss bereits Anfang Juni.
Kartoffeln
Bislang ungestörte Entwicklung. Häufig verstärktes Auftreten von Kartoffelkäfern. Aufgrund geringer Niederschläge im Mai erste Beregnungen Ende Mai/Anfang Juni.
Leguminosen (Erbsen, Ackerbohne, Sojabohne, Luzerne)
Schöne Bestände. Aufgrund der Trockenheit im Mai problemlose Beikrautbekämpfung.
Zwischenfrüchte
Lückige Bestände mit verhaltener Entwicklung und der milde Winter ließen Beikräutern, Beigräsern und Ausfallgetreide Licht, Platz und Zeit zum Wachsen, unzureichendes Abfrieren über den Winter.
Dauergrünland
Erster Aufwuchs verzögert, aber insgesamt zufriedenstellend. Verlangsamter zweiter Aufwuchs aufgrund der Trockenheit im Mai. Weitere Niederschläge dringend erforderlich.
Würth zufolge macht sich der Klimawandel zunehmend bemerkbar. Mit der steigenden Zahl an Starkregenereignissen wächst auch die Erosionsgefahr auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen. Gleichbleibende Gesamtniederschlagsmengen führen bei steigenden Temperaturen aufgrund der erhöhten Verdunstung vermehrt zu Wassermangel in der Vegetationszeit. Hier kann eine wassersparende Bewirtschaftung den Wasserverlust mindern, Zwischenfrüchte und Mulchsaaten verbessern die Wasseraufnahme. Auch der steigende CO2-Gehalt in der Atmosphäre wirkt sich bei ausreichendem Wasserangebot günstig auf die Erträge bei Getreide, Raps, Zuckerrüben und Kartoffeln aus.
Derzeit ist zumindest auf tiefgründigen Böden noch kein Anbau von Kulturen erforderlich, die mit weniger Wasser auskommen. Den Wassermangel verstärkt über Beregnung auszugleichen, ist nur in Regionen möglich, in denen ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Die Wasserwirtschaft geht jedoch von sinkenden Grundwasserspiegeln aus und begrenzt deshalb die Entnahme von Grundwasser für eine Beregnung. "Der Klimawandel ist für die Landwirtschaft eine existenzielle Bedrohung", warnt Würth. Extremwetterereignisse, Trocken- und Hitzeperioden häufen sich und gefährden zunehmend die angebauten Kulturen.