Pressegespräch des AELF zur Biodiversität
Vielfältige Agrarumweltmaßnahmen im Landkreis Dillingen

HochlandrinderZoombild vorhanden

Erhöhter Futterbereich

Dass sich Landwirtschaft und Artenvielfalt selbst in höchst sensiblen Gebieten gut miteinander vertragen können, zeigt das Beispiel des Gundelfinger Mooses. Dort bewirtschaften eine Bäuerin und zwei Bauern mit ihrer BioMoos GbR artenreiche Niedermoorwiesen.

"Die vielfältigen Agrarumweltmaßnahmen im Moorgebiet haben dazu geführt, dass bislang reine Naturschutzflächen wieder in die Hände der Landwirtschaft zurückgegeben werden konnten", bestätigte Georg Wiedenmann gegenüber den Vertretern der regionalen Medien. Der Gundelfinger Landwirt ist einer der drei BioMoos-Gesellschafter, die am Pressegespräch des AELF Nördlingen-Wertingen zu den Biodiversitätsleistungen der Landwirtschaft im Landkreis Dillingen teilnahmen.

Seltene, moortypische Tier- und Pflanzenarten
Das Gundelfinger Moos, ein großes Niedermoorgebiet zwischen Günzburg und Gundelfingen, erstreckt sich über eine Fläche von rund 500 Hektar. Es ist Heimat vieler seltener und moortypischer Tier- und Pflanzenarten. Um die Moorpflege professionell zu betreiben, haben sich Tina Nieß aus Sontheim und die beiden Gundelfinger Winfried Bayer und Georg Wiedenmann zu einer GbR zusammengeschlossen.
"Gemeinsam wollen wir das Moos pflegen, den Grasaufwuchs als Futtergrundlage für unsere Schottischen Hochlandrinder verwerten und ihr Fleisch vermarkten." Gut 350 Futterballen gewinnt die GbR jährlich aus dem Moos, mit ihnen kann sie ihre Rinder an 200 Tagen von November bis Mai versorgen. Zur Mutterkuhhaltung im Niedermoor gehören 17 weibliche und 16 männliche Schottische Hochlandrinder.
insektenschonendes MähwerkZoombild vorhanden

Insektenschonend mähen

Extensive Nutzung der Moorwiesen
Damit sie die Artenvielfalt in dem wertvollen Moorgebiet nicht nur zuerhalten, sondern auch fördern, setzen Nieß, Bayer und Wiedenmann eine Vielzahl von Agrarumweltmaßnahmen aus dem Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) und Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) um. Dazu gehören beispielsweise späte Schnittzeitpunkte, die extensive Nutzung der Weiden, der Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutz und der Einsatz eines insektenschonenden Messermähwerks.
"Die Bewirtschaftung der Moorwiesen ist meist nur unter schwierigen Bedingungen und mit erhöhtem Aufwand möglich", erklärt Georg Wiedenmann. "Sie stellt hohe Anforderungen an die Technik wie das Mähwerk, die Bereifung der Maschinen oder die Bergetechnik." Auch die Beweidung gestaltet sich auf Moorwiesen schwieriger als auf mineralischen Böden. Das Zaunmaterial hat aufgrund des hohen Wasserstands eine kürzere Lebensdauer, außerdem müssen die Zäune aufwändig freigeschnitten werden.
Um das Tierwohl der Hochlandrinder zu gewährleisten, hat die BioMoos GbR außerdem erhöhte Liege- und Futterflächen angelegt, die ihnen bei hohem Wasserstand trockene Rückzugsmöglichkeiten bieten.
MutterkuhZoombild vorhanden

Fellpflege

Klimapositive Pflege des Moorbodens
"Die Beweidung der Moorwiesen stellt eine optimale, klimapositive Pflege des Moorbodens dar und unser Betrieb gewinnt hochwertiges Rindfleisch", versichert Wiedenmann. Nebenbei führt die extensive Wiesennutzung durch das selektive Fressverhalten der Hochlandrinder zu einem stetig steigenden Bestand an typischen und seltenen Moorpflanzen. Auf den beweideten Flächen wächst die Zahl der Kiebitzbrutpaare, die das reiche Futterangebot durch den Rinderdung schätzen. Dem Klimaschutz zugute kommen die kurzen Transportwege durch die Direktvermarktung des Rindfleisches an die Endverbraucher.
Der Leiter des AELF Nördlingen-Wertingen, Dr. Reinhard Bader, erinnert an das Volksbegehren "Rettet die Bienen", das den Erhalt der Artenvielfalt forderte. Es sei auch ein Anreiz für die bayerische Landwirtschaftsverwaltung gewesen, einen Schwerpunkt der Beratung auf den Wildlebensraum zu legen. Viele Agrarumweltmaßnahmen mit dem Ziel des Erhalts der Artenvielfalt habe es allerdings auch schon vor dem Volksbegehren gegeben, betont Bader. Der AELF-Chef verweist auf die sichtbaren Erfolge dieser Maßnahmen: Auf vielen schwäbischen Kirchtürmen ziehen Storchenpaare ihre Jungen groß, im Donautal ist der Seeadler wieder heimisch geworden und allenthalben lassen sich während der Autofahrt Hasen in den Feldern sehen.
Landwirte ins Boot holen
"Um die Biodiversität voranzutreiben, müssen wir die Landwirte mit ins Boot holen", sagt Bader. Dass mittlerweile jeder zweite Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche im Landkreis Dillingen einem Förderprogramm unterliegt, sei ein Zeichen für die Kooperationsbereitschaft der Landwirte beim Artenschutz. Aber nur vom Naturschutz könne ein bäuerlicher Betrieb nicht leben. "Die Landwirte benötigen die Unterstützung der Gesellschaft, die Beratung durch die Landwirtschaftsverwaltung, die Untere Naturschutzbehörden und die Landschaftspflegeverbände."
Bader führt die BioMoos GbR als gutes Beispiel an, wie die Landwirtschaft aus dem Klima- und Artenschutz Vorteile ziehen kann, beispielsweise durch einen Zuerwerb oder durch Alleinstellungsmerkmale bei der Vermarktung. "Gesellschaft und Landwirtschaft wünschen sich im Grund dasselbe: die Ernährung sicherstellen und dabei die Umwelt so wenig wie möglich belasten."
Zwischenfrüchte auf 28 Prozent der Ackerfläche
Philipp Schuhmair, Ansprechpartner für die Wildlebensraumberatung am AELF Nördlingen-Wertingen, kommt auf mehr als 50 Maßnahmen aus KULAP, VNP und den EU-Vorgaben, durch die im Landkreis Dillingen der Klima-, Arten-, Boden- und Gewässerschutz vorangetrieben werden. Fast 17 % der gesamten Ackerfläche sind als Ökologische Vorrangfläche ausgewiesen, auf 28 % werden Zwischenfrüchte angebaut, die Insekten und Wildtieren Nahrung und Unterschlupf bieten.
Herde muss weiter wachsen
Anja Schumann von der Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos freut sich, dass die Rinder der BioMoos GbR nur mit Futter versorgt werden, das in ihrer Umgebung wächst. "Dadurch werden keine gebietsfremden Pflanzen in das Gundelfinger Moos eingetragen." Damit die Haltung der Schottischen Hochlandrinder rentabel wird, müsse die Herde jedoch noch wachsen. Aber schon jetzt seien aus Naturschutzflächen landwirtschaftliche Nutzflächen geworden.
Tina Nieß ist überzeugt, dass sich die harte und aufwändige Arbeit im Moorgebiet auszahlen und die BioMoos GbR sich weiterentwickeln wird. "Ich bin mit Leidenschaft dabei, aber wir müssen wirtschaftlich arbeiten können", sagt die Sontheimer Bäuerin. Der Verkauf des Rindfleisches reiche nicht für eine angemessene Entlohnung, deshalb sei die GbR auf Fördergelder angewiesen – "und da gibt es noch Luft nach oben".
Spagat zwischen Ernährung und Artenschutz
GbR-Gesellschafter Georg Wiedenmann macht auf den Spagat aufmerksam, den die Landwirtschaft zwischen Ernährungssicherung und Artenschutz vollziehen müsse. Die Gesellschaft dürfe die Förderung der Biodiversität nicht allein auf die Schultern der Landwirte legen, sondern müsse auch selbst dazu einen Beitrag leisten. Nur mit Fördergeldern werde eine Win-Win-Situation wie im Gundelfinger Moos möglich: "Hier erzeugen wir in einem Naturschutzgebiet hochwertiges Fleisch und fördern zugleich die Biodiversität."