Pressegespräch des AELF Nördlingen-Wertingen
Biomethan aus Biogas: Ein Weg aus der Gasknappheit?

Biogasanlagen können nicht nur Strom und Wärme, sie können – wer hätte es gedacht – auch Gas. Umso verwunderlicher, dass nur rund 230 von knapp 10.000 deutschen Biogasanlagen ihr Primärprodukt in das Erdgasnetz einspeisen. Eine dieser Anlagen steht im Landkreis Donau-Ries.

Sie wird von der Bioenergie Reimlingen GmbH & Co KG betrieben und erzeugt jährlich 54 Mio kWh Biomethan. Damit lässt sich der Wärmebedarf von 1800 Vier-Personen-Haushalten decken. In einem Pressegespräch des AELF Nördlingen-Wertingen erklärten die Anlagenbetreiber, wie Biogas zu Biomethan veredelt wird und wie sie als Landwirte vom heiß umkämpften Gasmarkt profitieren.

"Jeder redet von der Energiekrise und macht sich Gedanken, ob wir im Winter wohl ausreichend mit Energie versorgt sein werden", stellte AELF-Chef Dr. Reinhard Bader fest. Die Politik sucht Alternativen zum russischen Erdgas und hat dabei eine naheliegende erst jetzt in den Blick genommen: die Veredelung von heimischem Biogas zu Biomethan.
"Diese Form der Biogasverwertung hat Potenzial", sagte Bader. Zum einen sei Biomethan ein CO2-neutraler Energieträger, zum anderen könne es in der Region und unabhängig von autokratisch regierten Staaten produziert werden. Die deutsche Biogasbranche wäre in der Lage, 40 % des vormals aus Russland importierten Erdgases zu ersetzen, heißt es aus dem Fachverband Biogas.
100 Biogasanlagen im Donau-Ries-Kreis
Bader zufolge sind derzeit allein im Donau-Ries-Kreis 100 Biogasanlagen in Betrieb, von denen rund 60 Heizenergie über Wärmenetze abgeben. Gemessen an der gesamten elektrischen Leistung seiner Biogasanlagen von rund 90.000 KW rangiere der Landkreis in Schwaben an der Spitze. "In unserer Region gibt es eben schon von jeher viele innovative Betriebe, die offen für Neues sind." Allerdings gehöre dazu auch eine gute Portion Risikobereitschaft, nachdem die Investition in eine Biogasanlage sehr kapitalintensiv sei.

Nach der Kraft-Wärme-Kopplung ist die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan ein weiterer, folgerichtiger Entwicklungsschritt, den im Donau-Ries-Kreis bereits drei Gemeinschaftsbiogasanlagen gegangen sind. Sie könnten, so Bader, dazu beitragen, dass die Gesellschaft weniger kritisch auf die Biogasbranche blickt. Mais bilde zwar auch bei diesen Anlagen den Grundstoff für die Vergärung, aber von einer Vermaisung der Landschaft könne in Nordschwaben keine Rede sein. Im Landkreis Donau-Ries belaufe sich die Maisfläche auf 30 % der gesamten Ackerfläche und sei damit anteilsmäßig nicht größer als im Nachbarlandkreis Dillingen, wo deutlich weniger Biogasanlagen betrieben werden.

Öl, Erdgas, Kohle und Uran sind endlich

Karl-Heinz Geiß ist einer der fünf Gesellschafter der Bioenergie Reimlingen. Er bringt die aktuelle Diskussion auf den Punkt: "Öl, Erdgas, Kohle und Uran sind endlich, 75 % der in Deutschland benötigten Energie werden importiert. Das führt zu Abhängigkeit, Erpressbarkeit und letztlich zu Wohlstandsverlust." Immerhin hätten die hohen Energiepreise zu einem Umdenken in Richtung erneuerbare Energien geführt.

In diesem Bereich leistet die Reimlinger Anlage seit mehr als 15 Jahren Vorbildliches. Sie produziert jährlich 4 Millionen kWh Strom für 1300 Vier-Personen-Haushalte und 2,5 Mio kWh Wärme für das Nördlinger Stiftungskrankenhaus. Allein über dieses Wärmekonzept werden Jahr für Jahr rund 250.000 l Heizöl eingespart. Zu berücksichtigen gilt es auch den wertvollen Dünger, der bei der Vergärung der Substrate anfällt und den Düngebedarf für eine Fläche von 1000 Hektar abdeckt.
Strom, Wärme, Gas
Die Reimlinger Anlage ist flexibel. Je nach Bedarf kann sie mehr oder weniger Gas, Strom und Wärme erzeugen. Das heißt, dass sie ihre drei Produktionsschienen an die Nachfrage und Preissituation auf dem Energiemarkt anpassen kann. Das unternehmerische Risiko, aber auch der Gewinn verteilen sich bei der Bioenergie Reimlingen auf fünf Landwirte aus der Umgebung. Gegenüber fünf Einzelanlagen habe die Gemeinschaftsanlage starke Vorteile, betont Geiß. Es gebe keine Konkurrenz um das Substrat, die Landschaft werde nicht zersiedelt, bei Krankheit oder Unfall gebe es eine hohe Betreuungssicherheit, die Aufgabenbereiche ließen sich gut auf die Gesellschafter verteilen und eine große Anlage habe gegenüber einen kleinen Entwicklungspotenzial.
Rohgasliefervertrag mit Landwärme GmbH
Nachdem die Bioenergie Reimlingen im Sommer keinen Abnehmer für ihre Wärme hat, suchten die fünf Landwirte nach einer Alternative und fanden sie in der Biomethan-Produktion. 2013 gingen sie mit der Landwärme GmbH in München einen Rohgasliefervertrag ein. Für das Gasversorgungsunternehmen errichtete der Erdgasverteilnetz-Betreiber "Schwaben Netz" auf dem Anlagengelände ein Jahr später eine Verdichter- und Verteilstation und verlegte die erforderlichen Gasleitungen für den Anschluss an das Gasnetz. In der Station werden pro Stunde bis zu 700 m³ Biomethan erzeugt. Dazu wird das Biogas in Aktivkohlefiltern von seinen Schwefelanteilen befreit und das Kohlendioxid über Membranen abgeschieden.
Donau-Ries Vorreiter in Schwaben
Nicht nur bei der installierten Gesamtleistung, sondern auch bei der Flexibilisierung seiner Biogasanlagen ist der Donau-Ries-Kreis Vorreiter in Schwaben, betonte Landtechnik-Berater Hannes Geitner vom AELF Nördlingen-Wertingen. Demnach passen 65 % der hiesigen Anlagen ihre Stromproduktion an die Nachfrage und damit die jeweilige Preissituation an.

Weil ihnen nach dem Auslaufen der auf 20 Jahre festgeschriebenen EEG-Vergütung nur noch 45 % ihrer installierten Leistung über das EEG vergütet werden, wird sich die Stromerzeugung jedoch vorhersehbar deutlich reduzieren. "Dadurch gehen im Landkreis 31 % der Dauerleistung verloren", erklärte Geitner. Hinzukommen die stark gestiegenen Produktionskosten.

Hohe Anforderungen für Genehmigung

Das Erneuerbare Energien Gesetz 2023 bringe einerseits wichtige Verbesserungen für die Biogasbranche, schaffe aber andererseits keine entscheidenden Anreize, sondern eher neue Blockaden, beispielsweise in Form von sehr geringen Vergütungssätzen. "Die Biogasanlagen brauchen zusätzliche Einkünfte über die EEG-Vergütung hinaus." Die Strom- und Energiemärkte böten hier echte Chancen.

Zugleich werde die Weiterentwicklung der Biogasbranche durch die Anforderungen der Genehmigungsbehörden, durch fehlende oder falsche politische Signale und den mangelhaften Ausbau der Stromnetze gebremst. So wundert es Geitner nicht, dass im gesamten Landkreis Donau-Ries die Entwicklung der Biogasanlagen stagniert.
Innovativ und nachhaltig
Abschließend bescheinigte Dr. Reinhard Bader den Gesellschaftern der Reimlinger Biogasanlage ein innovatives Denken. "Sie erkennen Marktchancen und haben dabei nicht nur das letzte Prozent Rentabilität im Auge, sondern auch die Nachhaltigkeit."