Dillinger Landwirte erarbeiten zukünftige Strategien
Mulchsaat – eine nachhaltige Bewirtschaftung

Anfang Juni kam es im Raum Wertingen zu ergiebigen Starkregenereignissen. Lokal fielen über 100 l innerhalb von wenigen Stunden. Solche Wetterextreme lassen sich nicht aufhalten. Die damit verbunden Schäden können auch nie ganz verhindert werden.

Diese Ereignisse gehören einfach zu unserer Natur. Ziel kann es nur sein, die Auswirkungen möglichst gering zu halten. Martin Wimmer (Pflanzenbauberater AELF Nördlingen-Wertingen) gibt zu bedenken, dass die Landnutzung ab einem gewissen Punkt nicht mehr allein entscheidend spielt. Sobald Wassermassen jenseits von 100 l aufkommen, können weder Ackerflächen noch Wald oder Grünland den Niederschlag aufnehmen. Das Wasser bleibt ab diesem Punkt oberflächig stehen und kann nur in Hangrichtung abfließen.

Feldtag auf dem Demobetrieb Holand bei Marzelstetten
Hierbei stellt sich die Frage wie der zukünftige Ackerbau aussehen muss. Die Dillinger Landwirte zeigen dabei großes Interesse geeignete Lösungen zu erarbeiten. Dies machte der vom AELF Nördlingen-Wertingen organisierte Feldtag auf dem Demobetrieb Holand bei Marzlstetten deutlich. Das Hauptthema drehte sich um die Mulchsaat von Sommerungen im Frühjahr. Gerade Kulturen wie der Mais bieten lange Zeit nur eine geringe Bodenbedeckung. Ein Starkregen kann mit voller Wucht zuschlagen und den Boden lösen. Dabei gilt es geeignete Anbausysteme wie die Mulchsaat immer weiter zu verbessern. Der Boden wird durch das Mulchmaterial möglichst lange geschützt. Der Regen wird bereits beim Aufprall und anschließend beim Abfließen gebremst.
Im Sommer 2020 säte Gustav Holand 15 verschiedene Zwischenfruchtmischungen an. Die Parzellen wurden in eine gedüngte und eine ungedüngte Variante unterteilt. Martin Wimmer und Elke Lasch vom AELF Nördlingen-Wertingen haben die Mischungen im Herbst und Frühjahr bonitiert, um die Unterschiede vorstellen zu können.
Mischungen gut etabliert
Es zeigte sich schnell, dass sich die Mischungen im letzten Jahr gut etablieren konnten. In den meisten Varianten konnte auch im Juni noch ausreichend Mulchmaterial gefunden werden. Die Bodenbedeckung lag bei knapp 10 % bis über 30 %. Dies kann von allen Landwirten selbst mit einem Maßband ermittelt werden. Auf 20 m wird in 20 cm Schritten kontrolliert, ob direkt am Strich ein Zwischenfruchtrest anliegt. Die gemessene Anzahl entspricht der Bodenbedeckung in Prozent.
Großes Interesse gab es auch bei der Variante mit und ohne Düngung. Diese zog sich über alle Mischungen. Im roten Gebiet dürfen ab Sommer 2021 Zwischenfrüchte nur bei Futternutzung gedüngt werden. Besonders für viehlose oder schweinehaltende Betriebe kommt dies in der Regel nicht in Frage. Auf der Fläche des Betriebs Holand konnte aber gezeigt werden, dass auch ungedüngte Zwischenfrüchte gelingen können. Die Variante ohne Gülle wurde im Schnitt nur rund 15 cm kürzer und entwickelt nicht ganz so viel Pflanzenmasse. Allerdings war der Unterschied nicht so groß wie befürchtet.
Neben den klassischen abfrierenden Varianten wurden auch winterharte Zwischenfrüchte ausgesät. Diese bieten sowohl im Herbst als auch im Frühjahr guten Bodenschutz und nehmen durchgehend Nährstoffe auf. Gerade vor dem Hintergrund strengerer Düngevorgaben ist es wichtig jedes Kilogramm Nährstoff im Kreislauf zu behalten. Die Befürchtung von Durchwuchs konnte sich nicht bewahrheiten. Nach zweimaliger Bodenbearbeitung im Frühjahr und der Herbizidanwendung im Mais konnte ein unkrautfreier Bestand vorgestellt werden.
Die Landwirte zeigten sich in der Diskussion sehr interessiert. Weitere Anregung gab es für die Zukunft. Neben den Zwischenfrüchten wünschen sich viele weitere Varianten zur Saatzeit und zur Bodenbearbeitung.
Neben den Mulchsaatvarianten wurden aktuelle pflanzenbauliche Themen zur Düngung und zum Pflanzenschutz diskutiert. Die Betroffenheit der Landwirte aufgrund vieler Änderungen der letzten Jahre war deutlich zu spüren. Für viele wird es immer schwieriger den Überblick zu behalten. Daher wurden die vom AELF Nördlingen-Wertingen kompakt zusammengefassten Infos dankend angenommen.
Schäden gemeinsam reduzieren
Das Thema Erosion wird uns auch die nächsten Jahre beschäftigen. Starkregenereignisse wie in Wertingen Anfang Juni werden immer wieder auftreten. Viel Mut macht die Bereitschaft der Landwirte, ihren Pflanzenbau weiter an das zukünftige Klima anzupassen. Gemeinsam können mit nachhaltigen Anbaustrategien die Schäden in Zukunft weiter reduziert werden.