Wildlebensraum-Lehrpfad bei Fristingen
Stellschraube Lebensraumqualität

Die Qualität ihrer Lebensräume ist die wichtigste Stellschraube für das Vorkommen von Wildtieren. Dass es auch im Landkreis Dillingen nicht nur eine Schraube, sondern viele Schrauben gibt, an denen sich drehen lässt, führt ein neuer Lehrpfad zwischen Dillingen und Fristingen vor Augen.

Die Wildlebensraumberater Elke Lasch und Philipp Schuhmair vom Amt für Ernährung. Landwirtschaft und Forsten (AELF) Nördlingen-Wertingen haben entlang einer Strecke von mehreren Kilometern an acht Stationen große Infotafeln aufgebaut. Sie zeigen der Bevölkerung und den Landwirten der Region, wie sich in der Kulturlandschaft mit teils einfachen Mitteln ein gutes Miteinander von Natur und Nutzung praktizieren lässt.

Landwirtschaft fördert Artenvielfalt
"Landwirte tragen auf unterschiedlichen Wegen zur Erhöhung der Artenvielfalt bei", erklärt Philipp Schuhmair vor einer großen Blühfläche, die sich bei Fristingen an einen Waldrand schmiegt. "Damit das für die Bevölkerung sichtbar wird, haben wir den Wildlebensraum-Pfad Donauried gestaltet." Schon an der ersten Station nahe der Dillinger Donaubrücke können sich Radler und Spaziergänger einen QR-Code auf ihr Smartphone laden oder sich über die Detailansicht von Station zu Station fortbewegen.
Vielfalt und Farbe in der Flur
Die mehrjährige Blühmischung am Waldrand bringt Vielfalt und Farbe in die Ackerflächen. Das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm unterstützt die Ansaat von Blühmischungen auf dem Feld. Sie enthalten Pflanzen mit geringer Wuchshöhe wie Klatschmohn, Kornblume, Ringelblume, Sommerwicken oder Öllein – eine optimale Nahrungsquelle und ein Unterschlupf für Wildtiere und Insekten.
Dasselbe gilt auch für die erste Station nahe Dillingen. Hier erwartet den Passanten ein gelbes Blütenmeer der bis zu drei Meter hohen Durchwachsenen Silphie. Sie blüht von Juli bis September und wird von den Landwirten als Energiepflanze genutzt. Dabei bringt sie eine Reihe ökologischer Vorteile mit sich: Der ganzjährige Aufwuchs bietet Wildtieren Schutz, er mindert das Risiko von Bodenerosion und Nährstoffauswaschung. Außerdem benötigt die Silphie nur ganz wenig Pflanzenschutz. Bei den Bienen ist die Silphie beliebt, weil sie einen hohen Nektar- und Pollenwert aufweist.
Enttäuschendes Ergebnis ohne Pflanzenschutz
Südöstlich von Fristingen weist eine Schautafel auf einen Versuch zur Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes in einem Maisfeld hin. Dort wurde der chemische Pflanzenschutz einmal auf 70 % reduziert, das andere Mal ganz weggelassen oder unterschiedlich intensiv nur mit Maschinenhacke und Striegel gearbeitet. Im letzten Fall zeigt sich allerdings ein enttäuschendes Ergebnis: War das Feld bei 70 % Pflanzenschutz noch einigermaßen unkrautfrei, so ergab sich bei rein mechanischer Bekämpfung ein hoher Unkrautdruck. Auf einer Vergleichsfläche, auf der weder gespritzt noch mechanisch gearbeitet wurde, findet man den Mais sogar überhaupt nicht mehr.
Nicht weit entfernt macht eine Infotafel auf die ökologische Bedeutung von Gewässerrandstreifen aufmerksam. Entlang eines kleines Grabens zieht sich ein viele Meter breiter Pufferbestand aus hohem Gras entlang. Er schützt das Bächlein gegen Nährstoffeinträge und den Boden vor Erosion. Außerdem hilft der Uferstreifen bei der Vernetzung von Lebensräumen und bildet einen artenreichen Rückzugsraum, bei Hochwasser hält er Abschwemmungen zurück.
Artenreiche Streuobstwiesen
In Fristingen selbst führt der Wildlebensraum-Pfad an einer Streuobstwiese vorbei. Sie gehört in der Kulturlandschaft zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt. Damit leistet der Erhalt der noch knapp sechs Millionen Streuobstbäume in Bayern einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität. Ihr Erhalt ist jedoch nur dann gesichert, wenn das Obst und der Unterwuchs auch tatsächlich verwertet werden.
Viele Agrarumweltmaßnahmen
Den Endpunkt des Lehrpfads bildet eine Schautafel im Eppisburger Ried. "Dort gibt es mehr oder weniger Heckenstrukturen", erklärt Elke Lasch. "Erst wenn man sich den Dörfern nähert, kann man auch wieder Streuobst sehen."
Im Ried liegen viele Wiesenflächen, die erst ab dem 1. Juli gemäht werden. Durch den späten Schnittzeitpunkt werden die Gelege von Feld- und Wiesenbrütern wie Kiebitz und Großer Brachvogel geschützt. Den frisch geschlüpften Vogeljungen bietet das hohe Gras eine sichere Deckung.
"Auf unserer Wildlebensraum-Tour lässt sich erfahren, wie sich Kulturlandschaft und Wildlebensraum im Landkreis Dillingen miteinander verbinden", resümiert Lasch. "Wer sich die Kulturlandschaft des Donaurieds einmal genauer ansieht, der wird feststellen, dass es bereits sehr viele Agrarumweltmaßnahmen gibt."
Gelegenheit, sich damit näher zu befassen, bietet der Wildlebensraum-Pfad noch bis in den November hinein. Dann werden die Schautafeln an den acht Stationen wieder abgebaut.
Der Wildlebensraumpfad erstreckt sich über 8 Stationen um Fristingen und zeigt verschiedene Ansatzpunkte.