Sojabohne – eine rentable Alternative?
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© Anita Högenauer
Biolandwirt Kai Schrell aus Blindheim baut seit mehreren Jahren erfolgreich Sojabohnen an. Die Kultur überzeugt durch ihre Anspruchslosigkeit, Trockenheitstoleranz und attraktiven Erzeugerpreise.
Die wärmeliebende Kultur profitiert vom Klimawandel. In der Blütephase können längere Dürreperioden zwar zu Ertragseinbußen führen, ansonsten gilt die Sojabohne jedoch als trockenheitsverträglich.
Die wirtschaftliche Situation im Ackerbau stellt sich für viele landwirtschaftliche Betriebe im aktuellen Erntejahr 2026 ernüchternd dar. Anfang des Jahres sind die Preise für Diesel und Düngemittel infolge des Irankriegs stark angestiegen. Die Erzeugerpreise für Weizen, Gerste und Co. hingegen bewegen sich seit dem vergangenen Herbst auf einem sehr niedrigen Niveau. Hinzu kommen vielerorts in Nordschwaben stark unterdurchschnittliche Getreideerträge, da die Hitze der vergangenen Wochen die Kornfüllung stark beeinträchtigt hat.
Feldversuche beim Meisterarbeitsprojekt
Doch längst nicht bei allen Ackerkulturen zeichnet sich ein derart düsteres Bild ab. Landwirt Kai Schrell aus Blindheim im Landkreis Dillingen an der Donau baut auf seinem Öko-Betrieb seit vier Jahren erfolgreich Sojabohnen an. Anlass für seinen Einstieg in diese Kultur waren seine stark rückläufigen Ackerbohnenerträge. Im Rahmen seines Sommerarbeitsprojektes an der Landwirtschaftsschule Wertingen und seines Meisterarbeitsprojektes hat er deshalb in einem Feldversuch verschiedene Körnerleguminosen, nämlich Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen und Sojabohnen, miteinander verglichen. Die Sojabohne schnitt dabei mit Abstand am besten ab.
Die wärmeliebende Kultur profitiert vom Klimawandel. In der Blütephase können längere Dürreperioden zwar zu Ertragseinbußen führen, ansonsten gilt die Sojabohne jedoch als trockenheitsverträglich. Während bei vielen landwirtschaftlichen Kulturen wie Getreide, Mais und Zuckerrübe das Wachstum und die Ertragsbildung durch die Hitze- und Trockenperiode Ende Juni und Anfang Juli teils erheblich beeinträchtigt wurde, lassen sich bei Schrells Sojabohnen bislang keine Schäden erkennen. Bei einer Begutachtung der Bestände Ende Juli zusammen mit Isabella Hohenester, die seit dem 1. Juli 2026 im Sachgebiet L2.2 des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schwerpunktmäßig im Bereich Pflanzenbau tätig ist, zeigte sich Schrell sehr zufrieden mit der Entwicklung seiner Sojabestände.
Keine Stickstoffdüngung nötig
Neben der Trockenheitstoleranz bietet die Sojabohne ähnlich wie andere Körnerleguminosen den Vorteil, dass sie keine Stickstoffdüngung benötigt. Mithilfe von Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln kann die Sojabohne den Stickstoff, den sie für ihr Wachstum und ihre Ertragsbildung benötigt, selbst aus der Luft gewinnen. In der Fruchtfolge steht die Sojabohne bei Landwirt Schrell nach der Vorfrucht Mais. Dessen Ernterückstände pflügt Schrell im Herbst um. Sobald der Boden im Frühjahr abgetrocknet ist und eine Bodentemperatur von 8 °C erreicht hat, bereitet er mit der Kreiselegge das Saatbett vor und sät anschließend die Sojabohne aus. Bei der Sortenwahl achtet Schrell darauf, nur sehr frühe Sorten mit einer hellen Narbe anzubauen, damit die Sojabohnen im Herbst rechtzeitig abreifen und dann als Speiseware vermarktet werden können. Denn Sorten mit einer schwarzen Narbe sind in der Lebensmittelproduktion nicht erwünscht.
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© Kai Schrell
Die Unkrautregulierung erfolgt auf dem Betrieb Schrell, der als Biobetrieb keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel einsetzen darf, mechanisch mit etwa vier Hack- und drei Striegeldurchgängen. Die Druschreife erreichten Schrells Sojabohnen in den vergangenen Jahren immer um den 13. September. Die untersten Hülsen hängen bei der Sojabohne nur knapp über dem Boden. Daher empfiehlt Schrell für die Ernte einen Mähdrescher mit einem speziellen Schneidwerk, das die Sojapflanzen nahe der Bodenoberfläche abschneiden kann. Einen Abnehmer für die Ernte zu finden war für Schrell kein Problem. Er vermarktet seine Sojabohnen als Speiseware über die Naturland-Marktgesellschaft. Dabei passt die Kultur seiner Meinung nach gut zu den aktuellen Trends in der Gesellschaft, die eine steigende Nachfrage nach Speisesojabohnen aus heimischem Anbau erwarten lassen.
Wirtschaftlich erweist sich der ökologische Sojabohnenanbau als sehr lukrativ. Doch auch im konventionellen Landbau kann die Sojabohne eine interessante Kultur darstellen. Die vier konventionellen Betriebe, für die Landwirt Schrell im Lohn Sojabohnen sät, sind ebenfalls sehr zufrieden mit der Kultur und möchten sie in den kommenden Jahren auf jeden Fall wieder anbauen. Darüber hinaus können konventionelle Betriebe unter bestimmten Voraussetzungen für Fruchtfolgen mit Sojabohnen staatliche Fördergelder aus dem Bayerischen Kulturlandschaftspro-gramm (KULAP) in Anspruch nehmen.
Welcher Deckungsbeitrag sich beim Anbau von Sojabohnen insgesamt ergibt, ist betriebsindividuell zu betrachten. Für Landwirt Kai Schrell steht auf jeden Fall fest, dass er in Zukunft weiterhin Sojabohnen anbauen wird. Denn für ihn ist die Kultur „einfach ein geiles Ding“.

