Anmeldung zu FleQS nur noch bis zum 31. August möglich
Die Zeit drängt

Wenn ein Fleckviehzüchter die attraktive staatliche Förderung für die Herdentypisierung in Anspruch nehmen will, dann muss er sich beeilen. Betriebe, die im kommenden Jahr mit der Genotypisierung von weiblichen Rindern zur Verbesserung der Gesundheit, Robustheit und genetischen Qualität ihrer Tiere starten möchten, müssen dafür nämlich bis spätestens 31. August 2022 vom Zuchtverband beim LKV angemeldet werden.

Derzeit nutzen jedoch lediglich 33 Zuchtbetriebe im Gebiet des schwäbischen Fleckviehzuchtverbands dieses Angebot, bedauert Zuchtleiter Friedrich Wiedenmann. „Im Vergleich zu anderen Regionen müssen wir kräftig nachlegen, damit wir auch unseren heimischen Züchtern Bullen mit ausreichend sicher geschätzten Gesundheitszuchtwerten anbieten können.“ Je mehr phänotypische Informationen ins Spiel kommen, so Wiedenmann, desto genauer wird die Zuchtwertschätzung.

Gesundheit und Robustheit sicher schätzen
Das bayerische Landwirtschaftsministerium fördert die Genotypisierung von weiblichen Tieren in Betrieben, die aktiv im Rahmen eines Zuchtprogramms an der Erhebung von Daten zu Gesundheitsmerkmalen mitwirken. Dafür schließen die Zuchtverbände eigene Verträge mit ihren Mitgliedsbetrieben ab. „Ziel ist die Erhebung von Diagnosen und Beobachtungen genotypisierter Tiere, um anhand dieser Daten Zuchtwerte für Merkmale der Gesundheit und Robustheit möglichst sicher zu schätzen“, erklärt Wiedenmann. Erfasst werden insbesondere Diagnosen und Beobachtungen zu Mastitis, frühen Fruchtbarkeitsstörungen, Zysten, Milchfieber und Klauenpflege, aber auch alle weiteren Komplexe, beispielsweise Kälberkrankheiten, sollen mit einfließen.
Dateneingabe ein Kinderspiel
Die Datenerfassung erfolgt über das Programm ProGesund, das vom LKV betreut wird. „Mit der LKV-App ist die Dateneingabe ein Kinderspiel“, versichert Wiedenmann. Wie der Zuchtleiter nachdrücklich betont, fließen die Gesundheitsdaten nur anonymisiert in die Zuchtwertschätzung ein. „Ansonsten hat einzig und allein der Landwirt Zugriff auf seine Daten, an Dritte werden diese nicht weitergegeben.“
700 Betriebe im Zuchtprogramm für Gesundheit und Robustheit
Die Herdentypisierung startete mit rund 300 Betrieben bereits vor drei Jahren im Projekt „FleQS“ (Fleckvieh-Kuh-Lern-Stichprobe). Finanziert wurde das Projekt vom bayerischen Landwirtschaftsministerium sowie den bayerischen Zuchtverbänden und Besamungsstationen. Im staatlich geförderten GuR (Zuchtprogramm für Gesundheit und Robustheit) liefern derzeit rund 700 Betriebe Gesundheitsdaten. Die Betriebe genotypisieren die Kühe in der ersten Laktation, also bis zu 220 Melktagen, und die komplette weibliche Nachzucht. Die Erstbeprobung erfolgt mit Hilfe des Zuchtverbands. Alle weiblichen Kälber, die danach geboren werden, kann der Betrieb selbst stanzen und die Genotypisierung per App in Auftrag geben.
Nur 10 € Eigenanteil pro Genotypisierung
Aufgrund der neuen staatlichen Förderung müssen die teilnehmenden Züchter nur noch einen Eigenanteil von 10 € pro Genotypisierung leisten. Der Antrag muss jedoch bereits im Vorjahr gestellt werden, da die Abwicklung mit der Förderung der Milchleistungsprüfung erfolgt. Die Einzelheiten werden über einen Vertrag mit dem Zuchtverband geregelt. Dazu gehört beispielsweise ein Anteil von mindestens 60 % genomischen Jungvererbern im ersten Einsatzjahr in der künstlichen Besamung. „Das gewährleistet“, so Wiedenmann, „dass möglichst viele Töchter von jungen Bullen künftig mit Leistungs-, Exterieur- und Gesundheitsdaten in den Betrieben auflaufen.“
Verbreiterung der Datenbasis
Durch die neue Förderung wird eine Verbreiterung der Datenbasis ermöglicht, damit die Zuchtwertschätzer Zuchtwerte für neue Merkmale wie Klauengesundheit oder Stoffwechselstabilität entwickeln können. In den kommenden Jahren soll die Herdentypisierung auf 20 % aller Herdbuchkühe ausgedehnt werden. Davon profitieren wiederum alle Züchter. „Über FleQS und GuR können wir genetische Verbesserungen für die Population ebenso wie für den Einzelbetrieb erreichen“, betont Wiedenmann. „Und genau das ist es, was sich sowohl die Tierhalter als auch die Gesellschaft wünschen.“
Herdentypisierung bringt viele Vorteile
Der Zuchtleiter zählt die Vorteile auf, die den Betrieben eine Herdentypisierung bringt:
  • frühzeitige Selektion anhand der genomischen Zuchtwerte
  • Einsparung von Aufzuchtkosten und Reduzierung des GV-Besatzes
  • Abstammungssicherung und automatische Klärung von Abstammungskonflikten
  • Erfassung genetischer Besonderheiten wie Horn- und Erbfehlerstatus oder Kaseinvarianten
  • Nutzung von hochtypisierten Tieren über Embryotransfer
  • gezielte Anpaarung anhand der genomischen Zuchtwerte
„Und am Ende steht ein gesteigertes Einkommen für die Betriebe“, bekräftigt Wiedenmann. „Aber die Zeit drängt.“ Noch einmal weist der Zuchtleiter auf das Stichdatum 31. August hin.
Hohe Vererbungssicherheit der Zuchtwerte
Mit dem Betriebsmodell im Rahmen der „Weiblichen Lernstichprobe Fleckvieh Bayern“ lassen sich neue Merkmale schon nach vier bis fünf Jahren in die genomische Zuchtwertschätzung aufnehmen. Wiedenmann wird nicht müde zu betonen, dass die Zuchtwerte der typisierten weiblichen Tiere dieselbe Vererbungssicherheit aufweisen wie die Zuchtwerte von jungen Besamungsbullen. „Die Genotypisierung ermöglicht den Betrieben eine gezieltere Anpaarung der weiblichen Rinder. Das führt zu einer deutlichen Verbesserung ihrer Herden.“ Nebenbei biete die Teilnahme an ProGesund eine wertvolle Hilfestellung zur Verbesserung des Gesundheitsstatus der Herde und zu einem optimierten Herdenmanagement.
Leistungs-, Zucht- und Gesundheitsdaten in einem einzigen System
Renate und Michael Balleis beteiligen sich mit ihrem Milchvieh in Hausen seit 2019 an der Lernstichprobe FleQS. Von ihrem großen Nutzen sowohl für den allgemeinen Zuchtfortschritt als auch ihren eigenen Betrieb sind die beiden fest überzeugt. Für Michael Balleis liegt ein unschlagbarer Vorteil der LKV-App in der Zusammenfassung der Leistungs-, Zucht- und Gesundheitsdaten in einem einzigen System. Das ist für ihn umso wichtiger, da auch seine Frau Renate, die sich gemeinsam mit ihm um die Kuhherde kümmert, über die App jederzeit Zugriff auf die Daten hat.
Genomische Daten erleichtern Selektion
Dem Betriebsleiter imponiert die präzise Zuchtwertschätzung, nachdem seit dem vergangenen Jahr mit der Umstellung auf Single-Step die Merkmale aller genotypisierten weiblichen Tiere in die Zuchtwertschätzung einfließen. „Die genomischen Werte sind wesentlich aussagekräftiger geworden und passen sehr gut mit dem späteren Erscheinungsbild der Kuh zusammen. Jetzt kann ich schon bei den jüngsten Kälbern die genomischen Daten studieren. Das erleichtert ungemein die Selektion, weil ich nicht erst abwarten muss, wie sich die Nachzucht entwickelt.“ Und es habe Vorteile, wenn er seine genotypisierten Jungkühe auf dem Zuchtviehmarkt präsentiert.
Überzeugt von ProGesund
Balleis schwört auf ProGesund. Hier kann er anhand der Datensammlung die Gesundheit und Leistung seiner Kuhherde über Jahre hinweg genau verfolgen. Dabei lassen sich auffällige Tiere herausfiltern, die beispielsweise wiederholt unter Klauenproblemen leiden. Robuste, gesunde und langlebige Tiere sind dem Züchter wichtiger als nur eine hohe Milchleistung.
Geschlossenes und anonymisiertes System
Wie sehr der Familie Balleis die Gesundheit ihrer Rinder am Herzen liegt, zeigen die sorgsame Tierbeobachtung und die fleißige Dokumentation über die LKV-App. Die Sorge anderer Züchter um die Datensicherheit kann der Betriebsleiter nicht nachvollziehen. „Erstens handelt es sich bei der App um ein geschlossenes, anonymisiertes System, auf das nur mein Betrieb und das LKV Zugriff haben“, sagt Balleis. „Und zweitens gibt ja ohnehin schon jeder Daten preis, wenn er sein Smartphone auch nur einschaltet.“ Andererseits würden die zurückhaltenden Berufskollegen dann aber bei der Zucht schon gerne von den gelieferten Daten anderer Betriebe profitieren.